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8/2015 | Als etabliertes Maschinen- und Stahlbauunternehmen beschränkt sich die FMS längst nicht mehr auf hochwertigen Schweißbau. Das fränkische Unternehmen setzt seit Jahren auf Kundennähe, Servicedienstleistungen und Kompetenzerweiterung entlang der Wertschöpfungskette.

Frage: Investitionen in das Fertigungslayout und Fahrständer-Bohrwerk für die 5-achsige Zerspanung waren wichtige Meilensteine für den Fertigungsstandort Gochsheim. Ist Ihnen der Vorstoß in die mechanische Bearbeitung von Großbauteilen wie erwartet gelungen?

Schneeweis: Auf jeden Fall! Mit dem Juaristi-Bohrwerk MX-5 RAM haben wir unser Leistungsprofil in Bezug auf Komplexität und Bearbeitungsmöglichkeiten enorm erweitert. Die Zusammenarbeit mit Bestandskunden ist über neuartige Projekte intensiver geworden. Gleichzeitig konnten wir uns deutlicher vom Wettbewerb abgrenzen und erfolgreich bei Neukunden platzieren. Das hat uns 2014 ein zusätzliches Umsatzvolumen von 20% eingebracht.

Bohrwerk_Juaristi
Bearbeitungszentrum für die hochpräzise Zerspanung
von Großbauteilen bis zu 8m x3m


Frage: Dann hat sich die Investitionsentscheidung mit Blick auf Großteile als richtig erwiesen?

Schneeweis: Ja, sie war richtig und sie war wichtig! Sehen Sie, der Maschinen- und Anlagenbau steht – auch international – für Fortschritt, Leistung und Zuverlässigkeit. Allerdings steht er angesichts dynamischer Marktveränderungen auch vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen, denen wir uns als Auftragsfertiger nicht entziehen können. Das wollen wir auch gar nicht. Unser Ziel ist eine stärkere Ausrichtung auf Kunden und Märkte. Darum haben wir das Bohrwerk nach unseren Vorstellungen konfiguriert, um eine optimale Nutzungsbandbreite von Teilen mit hohen Anforderungen an die Genauigkeit bis hin zur Schwerzerspanung zu ermöglichen. Mit diesem technischen Upgrade und verbessertem Fertigungslayout realisieren wir nun die von uns angestrebte Flexibilität mit der gewünschten Präzision, Zerspanungsleistung und Effizienz. Dass wir mit unserer Ausrichtung auf Komplexität und Genauigkeit im Marktumfeld gut angenommen werden, zeigt uns der zunehmende Anteil an Großbauteilen. Die aktuelle Steigerung für diesen Bereich entspricht voll und ganz unserer Erwartung.


Frage: Die FMS hat sich mit dem Ausbau der mechanischen Fertigung stärker auf Industriekunden ausgerichtet. Welche betrieblichen Reorganisationsmaßnahmen haben die Neuausrichtung begleitet?

Schneeweis: Offen gestanden war es ein Maßnahmenpaket, das wir schon 2013 zurecht gelegt hatten für den Fall, dass sich spürbare Nachfrageveränderungen im Energiesektor weiter manifestieren. Als Dienstleister partizipieren wir über unsere Auftraggeber an den konjunkturellen und branchenspezifischen Nachfrageschwankungen, die wir nur mit Flexibilität und einer gewissen Offenheit für Neues kompensieren können. Unsere Bestandkunden dürfen selbstverständlich in gewohnter Weise auf unsere hohen Maßstäbe an Qualität, Zuverlässigkeit und Service vertrauen. Neuausrichtung auf Kunden und Märkte heißt für uns vor allem gezieltes Produkt- und Kundenportfoliomanagement. Unsere Kompetenzen und unser Leistungsspektrum erlauben anspruchsvolle Projekte mit hohem Betreuungsgrad – nicht nur für Anwendungen in der Energieverteilung, Schienenverkehrs- und Automobiltechnik, sondern auch für Kunden aus anderen Schlüsselindustrien. Unsere Neukunden aus 2013/2014 zählen wir heute zu Stammkunden, einige darunter sogar zu unseren Top Ten. Dieser Erfolg spricht für uns, auch wenn es viel Detailarbeit braucht, um Kostenstrukturen und Prozesse anzupassen und die Mannschaft mitzunehmen. Doch letztlich sorgen Herausforderungen, die mit Neukunden und Neuprojekten einhergehen, auch für neue Vitalität.

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Manipulator: wird verwendet für
Spritzarbeiten im Hochtemperaturbereich


Frage: Als Systempartner der Investitionsgüterindustrie sind Sie gefordert, mit dem Innovationstempo Ihrer Kunden Schritt zu halten. Deren Fokussierung auf Innovation bedeutet: Neue Technologien, neue Herstellverfahren, neue Werkstoffe, neue Entwicklungsmethoden usw. Wie gehen Sie damit um?

Schneeweis: Wir arbeiten jeden Tag daran, den Ansprüchen unserer Kunden auch in Zukunft gerecht zu werden. Als Spezialist im Maschinen- und Stahlbau sind wir mit unserem Dienstleistungs- und Serviceangebot Problemlöser für Komponenten und komplette Baugruppen, auch für solche mit Anwendung in zulassungs-, dokumentations- und/oder abnahmepflichtigen Bereichen. Für besondere Anforderungen wie beispielsweise Korrosions-, Säure- und Druckbeständigkeit werden entsprechende Materialien verarbeitet mit spezifischen Eigenschaften wie etwa Duplex- oder Superduplex. Das Schweißen und Fügen hochlegierter CrNi-Stähle ist sehr anspruchsvoll. Doch die Einsatzgebiete werden aufgrund steigender Standards und zunehmender Ressourceneffizienz vielfältiger. Solche Herausforderungen gehen wir aktiv an und bewegen uns mit unseren Zertifizierungen und Qualifikationen auf hohem Niveau. Gefertigt werden bei uns Vorprodukte als auch komplett bearbeitete, montagefertige Baugruppen. Von der Unikatfertigung bis zur mittleren Losgröße bieten wir hochwertigen Schweißbau aus Leichtmetall (Aluminium-Legierungen), Edelstahl (Chrom-Nickel-Stähle) sowie Baustahl und Feinkornbaustählen.

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Spezialbehälterbau, inkl. TÜV-Abnahme der Druck- und Dichtheitsprüfung


Frage: Ihre mechanischen Bearbeitungsmöglichkeiten umfassen Vor- und Nachbearbeitung. In Sachen Komplexität heben Sie sich deutlich vom Wettbewerb ab. Was macht Sie zu Systempartnern der Industrie?

Schneeweis: Um langfristig stabile und erfolgreiche Partnerschaften mit unseren Kunden einzugehen, ist uns die Nähe zum Kunden sehr wichtig. Wir bearbeiten und schweißen. Wir fertigen im Kundenauftrag. Wir entlasten unsere Kunden im Zukauf. Damit sind Lohnfertiger quasi verlängerte Werkbank ihrer Auftraggeber. Was uns zu Systempartnern macht, ist unser erweitertes Kompetenz- und Leistungsspektrum. Wir übernehmen die betriebsfertige Montage und Inbetriebnahme im In- und Ausland. Wir führen bei Bedarf die Regel- und Steuerungstechnik aus. Unser Qualitätsmanagement haben wir über die Jahre systematisch aufgebaut, so dass wir mit geschulten Fachkräften einschlägige Nachweise erbringen für die Qualitätssicherung u.a. in Bezug zerstörungsfreie Werkstoffprüfung, Röntgenprüfung, Druck- und Dichtheitsprüfung etc. Wir beraten, betreuen und unterstützen unsere Kunden mit Know-how, damit sie sich auf ihre Kernkompetenzen wie Engineering und Projektmanagement konzentrieren können.

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Getriebeprüfstand: Präzisionsmontage im µm-Bereich


Frage: Werden sich Auftragsfertiger wie die FMS durch Kompetenzerweiterung gegen die zunehmende Konkurrenz aus Osteuropa und Fernost behaupten können?

Schneeweis: Die Herausforderungen für den Maschinen- und Anlagenbau sind komplex. Und die Lösung liegt sicherlich nicht nur in der Verlagerung der Zulieferkette auf ferne Länder. Der Lohnvorteil schrumpft auf lange Sicht auch dort. Zum anderen lassen sich Qualität und Zuverlässigkeit geographisch nicht mehr auf Deutschland begrenzen. Doch Made in Germany ist immer noch ein starkes Label. Logistische Vorteile und vor allem die Nähe zum Kunden, das Know-how und der Betreuungsgrad sind gerade bei kleinen bis mittleren Losgrößen Pluspunkte, die unter dem Strich zählen.
Mehr zur FMS finden Sie hier:

FMS Fränkischer Maschinen- u. Stahlbau GmbH
Lindestrasse 16
97469 Gochsheim
Tel.:  +49 9721 643 – 36
Fax:  +49 9721 643 – 80
www.fms-gochsheim.de

Ansprechpartner:
Ralf Schneeweis, Geschäftsführer
René Albert, Leiter Auftragszentrum